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Impfstoffe und Immuntherapeutika

Das menschliche Immunsystem ist ein komplexes, hoch differenziertes und anpassungsfähiges Abwehrsystem, was sich innerhalb der Evolution über einen Zeitraum von 400 Mio. Jahren entwickelt und perfektioniert hat. Es ist in der Lage, uns vor Mikroorganismen, Fremd- und Schadstoffen, und malignen Zellen zu schützen. Die Vielzahl der externen Pathogene, als auch die ständige Weiterentwicklung dieser Pathogene stellen dabei enorm hohe Anforderungen an unser Immunsystem. Nur durch die Fähigkeit des Immunsystems zu „Lernen“ und sich im Laufe eines Lebens des Organismus auf Bedrohungen einzustellen, ist es in der Lage, einen effektiven Schutz zu gewährleisten.

 

Impfstoffe, ob prophylaktisch oder therapeutisch, nutzen diese Mechanismen effizient, um Immunantworten auszulösen oder zu verstärken. Das spezifische Immunsystem basiert auf der Reaktion von T- und B-Lymphocyten, die jeweils hochspezifisch auf angreifende Antigene reagieren. Mit Ihren einzigartigen Eigenschaften legen sie gleichzeitig die Grundlage für die Gedächtnisreaktion, die auch bei späterer wiederkehrender Infektion einen hochwirksamen Schutz über einen langen Zeitraum bildet.

Mit seinen Produktkandidaten beabsichtigt die Unternehmung spezifisch das den mukosalen Teil des Immunsystems zu stimulieren. Das mukosale Immunsystem ist die erste Abwehrlinie des Körpers gegenüber einer Vielzahl von infektiösen Erregern. Mukosale Oberflächen haben beim Menschen nach Schätzungen eine Fläche von etwa 400 m2 und enthalten dabei ca. 80 % der Antikörper produzierenden Zellen des Immunsystems.

Die Kernkompetenz des Unternehmens und sein Produktportfolio sind auf die Bedürfnisse der modernen Impfstoffentwicklung ausgerichtet.

Produktkandidaten

Der in der Entwicklung am weitesten fortgeschrittene Produktkandidat des Unternehmens zielt auf die Therapie und Prophylaxe von Infektionen der Vagina durch Bakterien oder Trichomonas Vaginalis ab.

Ein weiterer spätklinischer Produktkandidat wird als Immuntherapeutikum zur Behandlung von Prostatitis und BPH (gutartige Prostata -Hyperplasie) entwickelt.

Adjuvantien-Plattform MALP-2

Bei der Entwicklung und Produktion von Impfstoffen spielen Adjuvantien (Wirkverstärker) eine entscheidende Rolle. Sie werden eingesetzt, um die Immunantwort auf ein Antigen zu verstärken. Sie sind vor allem bei modernen Impfstoffen wichtig, bei denen kein vollständiger Erreger, sondern nur noch Teile davon eingesetzt werden.

Früher wurden bei Impfstoffen Adjuvantien *1) insbesondere Aluminiumsalze eingesetzt, um die Wirkung des Impfstoffs zu verstärken. Diese reichen bei heutigen innovativen Impfstoffen oft nicht aus, bei denen statt vollständiger Erreger hoch gereinigte oder rekombinant bzw. synthetisch produzierte Teile des Erregers eingesetzt werden. Dabei werden Adjuvantien benötigt, die vor allem die so genannte zelluläre Antwort des Immunsystems stimulieren können. Zahlreiche Forschungseinrichtungen und Pharmafirmen suchen nach neuen, effizienteren Adjuvantien, jedoch ist die Zahl der neu zugelassenen Adjuvantien noch immer sehr klein.

AmVac hat eine neue Klasse von Adjuvantien einlizenziert, die am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig entwickelt wurde. Diese so genannten MALP-2 Adjuvantien stammen aus dem Bakterium Mycoplasma fermentans. In mehreren Studien *2) wurde nachgewiesen, dass MALP-2 die Wirksamkeit von Impfstoffen erhöht. Besonders wichtig ist, dass MALP-2 dabei auch eine Reaktion in den Schleimhäuten hervorrufen kann – eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung von Impfstoffen, die statt mit einer Spritze über die Schleimhäute verabreicht werden können, z.B. als Nasenspray.

Sendai–Paramyxoviren-Plattform

Eine Impfung mit Lebendviren hat oft zahlreiche Vorteile, wie z. B. die Aktivierung des kompletten Immunsystems, so dass es zu einer starken und lang anhaltenden Immunisierung kommt. Allerdings ist die Verabreichung von Lebendimpfstoffen bei bestimmten Indikationen und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem mit einem erhöhten Risiko verbunden, weil es dabei zu einer unkontrollierten Vermehrung und Ausscheidung des Virus kommen kann. Daher wird seit langem versucht, Impfstoffe zu entwickeln, die die Vorteile der Lebendimpfung haben, ohne dabei dieselben Risiken aufzuwerfen. Die AmVac hat hierzu die Sendai–Paramyxoviren-Technologie einlizenziert.

Die Technologie beruht auf dem so genannten Sendai-Paramyxovirus, einem für Menschen ungefährlichen Virus. Dieser Virus ist so modifiziert3), dass er sich im Körper eines Geimpften nicht vermehren kann, gleichzeitig aber für die Produktion des gewünschten Antigens sorgt. Dabei wird wie bei einem Lebendimpfstoff eine vollständige Immunantwort hervorgerufen. Wegen der Modifizierung des Virus besteht jedoch kein Risiko einer Vermehrung und Ausscheidung von Viren.

Die Technologie ist dabei eine spezielle Plattformtechnologie, mit der sich Impfstoffe gegen zahlreiche Erkrankungen entwickeln lassen. Sie ist auch für die Entwicklung neuer Kombinationsimpfstoffe gegen mehrere Erkrankungen geeignet. Damit besteht die Möglichkeit, Impfstoffe zu entwickeln, die so effizient sind wie Lebendimpfstoffe, und dabei gleichzeitig so sicher sind, dass sie auch an Kleinkinder und Menschen mit geschwächtem Immunsystem verabreicht werden können.

AmVac beabsichtigt, die Technologie in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried zur Entwicklung von Impfstoffen gegen schwere Atemwegserkrankungen zu nutzen.

Indikationsgebiete ...